Das WaK und seine Bewohnerinnen und Bewohner

Das Wohnhaus am Kesselflickerweg (WaK) bietet KlientInnen mit einer psychischen Erkrankung, deren Verlauf chronisch geworden ist, die Möglichkeit, trotz ihrer individuellen Biographien und Verhaltensweisen eigenen Wohnraum zu bewohnen. Neben diesem Wohnraumangebot erhalten die KlientInnen des Wohnhauses ambulante Hilfen im Rahmen der Eingliederungshilfe nach § 53/54 Sozialgesetzbuch XII. Im Vordergrund steht hierbei die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. 
Für viele KlientInnen stellt das Wohnhaus am Kesselflickerweg die letzte Möglichkeit dar, im eigenen Wohnraum zu wohnen.



Chronischer Erkrankungsverlauf



Es sind besondere Menschen, die im WaK Wohnraum angemietet haben. Die bei diesen KlientInnen vorliegenden Erkrankungen werden als Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen bezeichnet, die bereits seit vielen Jahren bestehen und als chronisch angesehen werden können. Durch die Dauer und Schwere dieser Beeinträchtigungen sowie infolge häufiger Ortswechsel sind viele KlientInnen kaum absprachefähig und weisen erhebliche Auffälligkeiten in ihrem sozialen Verhalten auf. So zeigten sich nicht selten Symptome der Verwahrlosung und existentieller Verunsicherung mit Phasen zeitweiliger Obdachlosigkeit. In der Vergangenheit führten diese Beeinträchtigungen in krisenhaften Situationen vielfach zu fremd- und/oder eigengefährdenden Verhaltensweisen.


Gegenwärtig leiden die betroffenen KlientInnen zumeist durchgängig unter Halluzinationen, dissoziativen Störungen sowie Angstzuständen und zeigen auffallende Verhaltensweisen wie starke Rückzugstendenzen, Antriebslosigkeit oder Aggressionsdurchbrüche. Die KlientInnen selbst beschreiben diese Zustände als Beeinträchtigungen und Bedrohungen von außen, die sie lähmten, sie ins Abseits stellten und von der Welt ausschlössen.

„Gesellschaftsverlierer“ und „Systemsprenger“



Sie erleben sich in vielerlei Hinsicht als „Gesellschaftsverlierer“, weder von ihr anerkannt noch wertgeschätzt.

 Im psychiatrischen Hilfesystem werden sie auch – hilflos – mit dem Begriff „Systemsprenger“ bezeichnet. Damit sind KlientInnen gemeint, die sowohl stationäre als auch außerklinische Versorgungsangebote überproportional intensiv und rasch wechselnd nutzen, für die es nur unzureichende Betreuungskapazitäten gibt und die mit ihren Verhaltensauffälligkeiten (wie z.B. Impulsivität, Aggressivität, mangelnde soziale Kompetenzen) über ein hohes, „sprengendes“ Störungspotential verfügen. Der Tag-Nacht-Rhythmus nicht weniger dieser KlientInnen ist hochgradig gestört. Viele unternehmen in unterschiedlicher Weise Selbstbehandlungsversuche, etwa durch gleichzeitigen Alkohohl-, Medikamenten- und/oder Rauschmittel-Konsum, so dass bei einem größeren Personenkreis im Wohnhaus auch von einer Doppeldiagnose (Psychose- und Suchterkrankung) ausgegangen werden kann.


Wie ist es nun möglich, diesem besonderen Personenkreis angemessen, wertschätzend und hilfreich zu begegnen? Der Besonderheit dieser Zielgruppe wird hier im Wohnhaus mit einem besonderen konzeptionellen Ansatz begegnet.

Besonderes Betreuungskonzept


Dieser Ansatz besteht aus einem niedrigschwelligen Zugang in Kombination mit einer hochstrukturierten personellen Bertreuungsleistung. Das bedeutet:
Jede Klientin, jeder Klient hat zwei bis drei verlässliche und verbindliche Ansprechpartner im Wohnhaus, mit denen alle alltagsrelevanten Anliegen und Fragen verhandelt werden.
Die Betreuungs- und Versorgungsleistung erfolgt höchst individuell und personenzentriert; überwiegend wird Einzelfallarbeit am Klienten geleistet (Beziehungsarbeit). Es gibt – je nach Bedarf – eine intensive Begleitung zu jeder Tages- und Nachtzeit, d. h. auf die Leistungen der Eingliederungshilfe wie Kurzkontakte, Einzelgespräche und Kriseninterventionen kann die Klientin, kann der Klient auch im Krisenfall und nachts jederzeit zurückgreifen.



Alltagswelt

Die im WaK lebenden KlientInnen sind für die Gestaltung ihres Alltages selbst verantwortlich; sie können jedoch in allen relevanten Belangen unterstützt werden.



In einer Bedarfserhebung zu Beginn wird der Unterstützungsumfang (sowohl zeitlich als auch tätigkeitsbezogen) in Zusammenarbeit mit der Hamburger Fachbehörde ermittelt. Dieser Bedarf kann zum einen alltagsrelevante Bereiche wie Ernährung, Körperpflege, Kleidung und Wäschepflege, Einkaufen, Geldverwaltung, Wohnraumreinigung und -gestaltung, ärztlich-medizinische Versorgung und Medikamenteneinnahme umfassen.



Es kann zum anderen ein Unterstützungsbedarf bei der Entwicklung der psychisch-emotionalen Verfassung der KlientInnen und der Gestaltung ihrer sozialer Beziehungen im engeren Wohn- und Lebensbereich, in Partnerschaft / Ehe, in sonstigen familiären Beziehungen, im Außenbereich und im Bereich Ausbildung und Arbeit festgestellt werden sowie bei Wiederaneignung eines ausgeglichenen Tag-/Nachtrhythmus.



Auch bei der Gestaltung der frei verfügbaren Freizeit, der Mobilität, der körperlichen Aktivität, der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und bei der Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben kann es einen Bedarf an Unterstützung geben.



In diesen Bereichen erhalten die KlientInnen dann Unterstützungsangebote in Form  ambulant erbrachter Dienstleistungen. Im Rahmen der Ernährungsversorgung gibt es eine Besonderheit. Hier besteht für die KlientInnen die Möglichkeit, sich mit Essen über einen Catering-Anbieter beliefern zu lassen und entweder allein oder in der Gemeinschaft zu speisen.

Die ambulanten Dienstleistungen

„In den eigenen vier Wänden wohnen und dennoch in einer geschützten Umgebung leben“ – dies ist der Leitsatz des besonderen Angebotes des WaK. Die Bewohnerinnen und Bewohner können selbstständig leben und sind dennoch nicht allein. Das WaK bietet ihnen Möglichkeiten der Privatheit und Intimität und stellt zugleich ein kleines soziales Umfeld mit Teilhabemöglichkeiten dar. 

Im WaK greifen insgesamt vier ambulante Dienstleistungen der stiftungseigenen auxiliar GmbH ineinander: 



Vermietung und Eingliederungshilfe



Erstens vermieten wir Einzelzimmer an psychisch kranke Menschen. Vertragsgrundlage ist der Hamburger Mietvertrag. 
 


Die zweite Dienstleistung wird durch ein ambulantes sozialpädagogisches Team erbracht, das sowohl am Tag, als auch in der Nacht Eingliederungshilfen anbietet. 



Das sozialpädagogische multiprofessionelle Team setzt sich aus kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen, die über ein hohes Maß an Erfahrungen und Fachwissen in der Arbeit mit psychisch kranken Menschen im Rahmen eines ambulanten Hilfesystems verfügen. Die Eingliederungshilfe findet innerhalb und außerhalb des Wohnhauses an 365 rund um die Uhr statt. Neben den externen Beschäftigungsangeboten der Ergo- und Arbeitstherapie des Trägers gibt es niedrigschwellige Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb des Wohnhauses. Diese gelten insbesondere für KlientInnen, die noch nicht an Außenangeboten teilnehmen können.



Die Angebote der ambulanten Eingliederungshilfe, ob in Gruppen oder Einzelveranstaltungen, fördern die Tagesstrukturierung und stellen eine Unterstützung in der alltäglichen Lebensführung und Basisversorgung dar. Die wöchentlich stattfindende Kochgruppe beispielsweise hat sich zum Ziel gesetzt, Fähigkeiten im Bereich Ernährung und Zubereitung zu vermitteln oder zu erhalten. Ein ähnliches Ziel verfolgt ein Nähangebot, bei dem die KlientInnen ihre Kleidung selbst ausbessern und reparieren können. Hilfe zur Selbsthilfe ist auch das Motto der im Wohnhaus befindlichen Fahrradwerkstatt.

Die Betreuung der KlientInnen findet im Rahmen des Bezugsbetreuungssystems statt und geht von Einzelgesprächen über Kriseninterventionen bis hin zu individuellen Trainings alltagsspezifischer Fähigkeiten. Hierzu können auch begleitete niedrigschwellige Arbeitsangebote im Wohnhaus gehören. Zur besseren Übersicht sind viele Angebote und Veranstaltungen in einem monatlichen Mitteilungsblatt für die KlientInnen des Wohnhauses nachzulesen.

Hauswirtschaft


Der dritte Dienstleistungsbereich wird durch ein Hauswirtschaftsteam erbracht. Schwerpunkte dieses Dienstleistungsbereiches sind die Reinigung der Gemeinschaftsflächen und die individuelle Hilfestellungen bei der Wohnraumreinigung entsprechend des Hilfebedarfs. Außerdem besteht ein Versorgungsangebot mit Mahlzeiten, das von den KlientInnen in einem Bausteinsystem individuell eingekauft werden kann.



Ambulante Pflege


Der ambulante Pflegedienst des Trägers stellt im vierten Dienstleistungsbereich mit seinen Angeboten die medizinische Versorgung der KlientInnen im Wohnhaus sicher.



Besondere Dienstleistung –  Das Nachtcafé


Für diejenigen KlientInnen, die aufgrund ihrer Erkrankung einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus haben und überwiegend während der Nacht erreichbar sind, hält das Wohnhaus am Kiwittsmoor ein besonderes Angebot der Eingliederungshilfe bereit. Das so genannte „Nachtcafé“ ist ein öffentlicher gemeinschaftlicher Raum und bietet Getränke, Beschäftigungsangebote und ansprechbare MitarbeiterInnen an. Dieses „Nachtcafé“ hält in der Zeit von 22:00 Uhr abends bis 7:00 Uhr morgens viele Bestandteile der Eingliederungshilfe für die KlientInnen bereit: Kurzkontakte, Einzelgespräche, Kriseninterventionen und Gruppenangebote.

Ansprechpartner zu jeder Zeit


Eine weitere Besonderheit des Wohnhauses zeigt sich darin, dass es jederzeit persönliche kompetente AnsprechpartnerInnen vor Ort gibt, an die sich die KlientInnen Tag und Nacht nach individuellem Bedarf (wie z.B. in einer Krise) wenden können. Dieses Setting wirkt Sicherheit stiftend und unterstützend.

Wohnhaus am Kesselflickerweg – Umfeld und Netzwerk

Das WaK befindet sich im Kesselflickerweg 7-13 im Wohngebiet Oxpark - in unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Klinikgelände der Asklepios Klinik Nord (AKN). In dem dreigeschossigen Gebäude werden die Bewohner in drei Wohngruppen (eine Wohngruppe pro Etage) ganztägig betreut. Direkt neben dem WaK gibt es einen, gemeinsam mit den Rauen Haus betriebenen, Pavillon, der als Treffpunkt für die Bewohner und die Nachbarschaft dient.

Mittendrin am Rand



Das Grundstück und die Umgebung bieten zahlreiche Anreize für unmittelbare Naturerfahrungen und Möglichkeiten für ausgedehnte Spaziergänge inmitten von Grün.



Der Standort auf dem Klinikgelände bietet den KlientInnen zunächst so etwas wie einen eigenen kleinen Stadtteil innerhalb von Hamburg-Langenhorn. Viele KlientInnen kennen das Klinikgelände von früheren Stationsaufenthalten her sehr gut und es vermittelt ihnen häufig ein Gefühl von Schutz und Geborgenheit. 
Gleichzeitig bewegen sich die meisten KlientInnen gern und angstfrei in die nächste Umgebung des Stadtteils hinein, um Einkäufe und Besorgungen zu erledigen. 
Die Einkaufsmöglichkeiten am Schmuggelstieg und im Einkaufzentrum Am Käkenflur sind von den Klientinnen fußnah zu erreichen. Das Einkaufszentrum Langenhorn-Markt mit Wochenmarkt und das Herold-Einkaufzentrum sind per Kurzstreckenticket jeweils nur zwei Bahnstationen vom Wohnhaus entfernt und damit auch weniger mobilen KlientInnen zugänglich.

Tolerantes Miteinander


In der näheren Umgebung vom Ochsenzoll und im Stadtteil Langenhorn ist über die Jahre und Jahrzehnte hinweg ein toleranter Umgang miteinander entstanden. 
Ansässige Einzelhändler und andere Dienstleister – etwa Banken oder Apotheken - haben sich auf die Besonderheiten dieser KundInnen eingestellt. Die Kombination dieser Standortqualitäten, die geschützte Lage am Rand des Klinikgeländes und die Nähe zum Stadtteil Langenhorn verbindet auf ideale Weise die nötige Infrastruktur und eine gewachsene Umgebungstoleranz. Dies ist für die meisten KlientInnen enorm wichtig, sind damit doch optimale Möglichkeiten zum Rückzug und zur Teilhabe zugleich gegeben.




Nähe zur medizinischen Versorgung



Kurze Wege fördern auch die medizinische Versorgung der Klientinnen: das Wohnhaus liegt nur wenige hundert Meter entfernt von der psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) und der psychiatrischen Aufnahme der Asklepios Klinik Nord. Die meisten KlientInnen konsultieren ihre behandelnden Ärzte/Ärztinnen vor Ort in der psychiatrischen Institutsambulanz. Zusätzlich besteht eine gute Kooperation zwischen PIA und dem Träger des Wohnhauses. 



Außerdem finden sich niedergelassene Haus- und somatische Fachärzte in der Nähe am Käkenflur, an der Langenhorner Chaussee und im Ärztehaus an der Tangstedter Landstrasse. Durch diese räumliche Nähe zu den ärztlichen Behandlern und die rasche Absprache mit diesen kann auch die medizinische Versorgung derjenigen KlientInnen sichergestellt werden, die sich außerhalb dieses besonderen Umfeldes als nicht absprachefähig und behandelbar zeigen.

Verkehrsgünstige Lage


Das Wohnhaus liegt schließlich verkehrgünstig in der Nähe des Kliniknebenausganges „Kiwittsmoor“ und der gleichnamigen Haltestelle der U-Bahn Linie U1. Auch zur U-Bahn-Station Ochsenzoll sind es zu Fuß nur wenige Minuten. Vom Haupteingang des Klinikgeländes fährt ein Bus in Richtung Langenhorn-Markt und Norderstedt. 
Dies eröffnet den Bewohnerinnen und Bewohnern auch die Möglichkeit, Ausflüge in die weitere Umgebung  und in die Innenstadt zu unternehmen.

Das WaK - Heimat und Chance

Als Fazit bleibt: Das Wohnhaus am Kesselflickerweg ist ebenso besonders wie seine Bewohnerinnen und Bewohner. Es ist eine Nische im System der außerklinischen psychiatrischen Versorgung von Menschen mit höchsten Unterstützungsbedarfen.

Eine Nische jedoch, die gerade wegen ihrer Charakteristik Teilhabe am gesellschaftlichen Leben überhaupt ermöglicht. Somit ist das WaK für die Bewohnerinnen und Bewohner zugleich Heimat und Chance, Zukunftsperspektive zu entwickeln.

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